Korsische Eisenbahn – Eine Abenteuerreise

TGV Corse

Eine Reise mit der korsischen Schmalspurbahn sollte in einem Korsika Urlaub nicht fehlen. Die Reise führt durch die schönsten Täler und eindrucksvollsten Landschaften an der Küste entlang und vor allem durch das Inland der Insel der Schönheit. Wanderer gelangen zum Startpunkt ihrer Wanderung und auch für Familien mit Kindern ist die Fahrt mit dem korsischen Zug eine willkommene Abwechslung zu den kurvenreichen Straßen. In jedem Fall ist es mehr als nur eine einfache Bahnfahrt!

CFC – korsische Eisenbahn

Die Fahrt mit der korsischen Eisenbahn CFC (Chemin de Fer de la Corse) ist ein besonderes Erlebnis. Die Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 1000mm führt von Ajaccio an der Südwestküste quer über den Gebirgskamm über Corte bis nach Bastia an der Nordostküste. Auch in der Region Balagne gibt es eine Linie zwischen Ile-Rousse und Calvi, die als „Tramway de Balagne“ bezeichnet wird. In meist gemütlichem Tempo zuckelt die Bahn durch Schluchten, über Berge, durch Tunnel, über Viadukte an diversen Haltestellen vorbei und gewährt fantastische Ausblicke über die korsische Landschaft. Auf der Hauptstrecke werden 930 Höhenmeter zurückgelegt bei einer maximalen Steigung von 3%.

Viele kennen die malerische Hauptlinie zwischen Bastia und Ajaccio mit einer von Länge von ca. 158 km aus diversen Reportagen. Das zweifelsfrei beeindruckendste Teilstück liegt zwischen Corte und Bocagnano. Der erste Teil der Strecke Bastia – Corte wurde am 1. Februar 1888 eröffnet und bis 1894 bis Ajaccio ausgebaut. Damals zählte die Strecke zu den modernsten Bahnstrecken überhaupt. Die in der Ebene verlaufende Ostküstenlinie zwischen Bastia und Bonifacio wurde erst 1935 fertiggestellt und sollte die gebirgige Hauptlinie entlasten. Sie verlief zwischen Casamozza bis Porto Vecchio und von dort ging es weiter bis in die südlichste Stadt der Insel, nach Bonifacio. Doch 1943 landeten deutsche Truppen auf ihrem Rückweg von Afrika nach Deutschland auf der Insel und zerstörten die komplette Oststrecke, die zu diesem Zeitpunkt noch keine 10 Jahre alt war, mitsamt aller Brücken, Tunnel, 5 Bahnhöfe, 15 Lokomotiven und 250 Eisenbahnwagen. Nach dem Krieg wurde diese Eisenbahnlinie nie wieder hergestellt und heute dienen Abschnitte als Straße (z.B. die D344 bei Ghisonaccia) oder zum Teil als Wanderweg in der Macchia. Ein 50 km langer ehemaliger Streckenabschnitt kann sogar mit dem Fahrrad befahren werden. Die alte Strecke ist an den Eisen-/Stahlbrückenfragmenten erkennbar. Viele alte Bahnhofsgebäude werden heute anderweitig genutzt.

Bahnhof in Corte

„TGV Corse“ – Gemütlich mit dem Bummelzug durch Korsika

Auf geraden Strecken kann der kleine Bummelzug immerhin an die 100 km/h erreichen – jedoch stammt der Kosename „TGV Corse“ nicht von der Geschwindigkeit (TGV = Train à Grande Vitesse – Hochgeschwindigkeitszug), sondern vielmehr nennen die Einheimischen den Zug liebevoll: „Train à Grande Vibration“ – frei übersetzt bedeutet das wohl „Wackelzug“.

Auf den Strecken Bastia – Corte – Ajaccio und Ponte Lecchia – Ile Rousse – Calvi passiert man 36 Tunnel, 14 Galerien, 38 Brücken und Viadukte auf einem gesamten Streckennetz von 232 km. Die maximale Steigung beträgt 3%, der längste Tunnel der Insel, hinter dem Bahnhof von Vizzavona auf 900 m Höhe, beträgt knapp 4 km und ist ungewöhnlich geradlinig (normalerweise werden Tunnel für den Wasserabfluss mit Steigungen gebaut). Das längste und gleichzeitig bekannteste Viadukt, die Ponte Vecchio, wurde 1888 von Gustave Eiffel konzipiert und misst 140 m und ist 94 m hoch.

Neue alte Eisenbahn – „Feuriger Elias“

Die gelbroten Renault Triebwagen , die den Beinamen „Feuriger Elias“ tragen, stammen aus der Nachkriegszeit und können pro Wagen 40 Personen fassen. Sie sind heute nur noch als Reserve auf der Strecke zwischen Calvi und Ile-Rousse eingesetzt. 1982 wurden sie durch modernere, blau-weiße Züge ersetzt. Im Zuge der Sanierung der Bahn zwischen 2003 und 2013 sind neue, klimatisierte Wagen – ausgestattet mit WC’s – angeschafft worden.

Feuriger Elias - Foto by LESC
Feuriger Elias – Foto by LESC

Im Bahnhof von Casamozza befindet sich ein Depot für Loks. Auch alte Triebwagen aus den 30er Jahren rosten dort noch so vor sich hin und können angeschaut werden.

In den 60er Jahren sollte die Bahn fast auf Grund mangelnder Rentabilität still gelegt werden, doch die Bevölkerung hat sich für den Erhalt stark gemacht. Heute kann sie dank Subventionen und der Bedeutung des Tourismus noch am Leben erhalten werden.

2003 begann die Restaurierung des kompletten Streckennetzes, einiger Bahnhöfe und der Signalanlage. Bis 2012 wurde für alle Um- und Ausbauten sowie der Erneuerung des Rollmaterials insgesamt 270 Mio Euro ausgegeben – getragen von Staat und der EU.

Seit 1984 ist der CFC Teil der französischen Gesellschaft SNCF.

Fahrpläne

Die Fahrpläne ändern sich je nach Saisonzeit. Hier können Sie die aktuellen Zeiten einsehen (offizielle Seite von CFC, auf französisch). Erwarten Sie keine komfortablen Fahrzeiten, dafür ist das Streckennetz einfach nicht gedacht, entschleunigen Sie sich selber und genießen Sie einfach nur die Landschaft.

Feuriger Elias in der Balagne

Die Verbindung Calvi – Ajaccio gibt es 2x täglich bei einer Fahrstrecke von ca. 4,5 Std.

Bastia – Casamozza funktioniert als Pendellinie und fährt zwischen 6 und 20 Uhr jede halbe Stunde.

Der „Feurige Elias“ fährt 5x täglich zwischen Calvi und Ile Rousse und benötigt für eine Strecke ca. 40 min.

Prinzipiell sind unvorhergesehene Stopps auf allen Linien möglich (freilaufende Schafe richten sich eben nicht nach dem Fahrplan), aber keine Sorge!, der Anschlusszug in Ponte Lecchia wartet immer.

Nicht jede Haltestelle ist gleich ein Bahnhof. Es gibt eben richtige „gare“ oder „arrêt fakultativ“. Der Zug hält an diesen letzteren nur nach Wunsch. Bitte beachten Sie dies und sagen dem Schaffner frühzeitig Bescheid. Übrigens wird die Mitnahme eines Fahrrads in den meisten Fällen, vor allem in der Hauptsaison, verwehrt, wundern Sie sich also nicht, wenn Sie doch heimradeln müssen. Auch kann es gelegentlich vorkommen, dass die in der Hauptsaison ohnehin stark frequentierte Bahn größere (unangemeldete) Gruppen nicht mitnimmt und prompt an Ihnen vorbeifährt. Nicht umsonst wird das Bahnfahren zu einem kleinen Abenteuer! Aber seien Sie beruhigt, so oft passiert das auch nicht und im Notfall funktioniert Auto-Stoppen eigentlich immer auf Korsika…

Preise

Folgende Preisbeispiele gelten seit Dezember 2015:

Bastia  – Corte 10,10 €

Bastia – Ajaccio 21,60€

Ajaccio – Calvi 25,10 €

Balagne (Ile Rousse – Calvi): je nach Sektor 2 | 4 | 6 € (Kinder (4-12 Jahre)  2 | 3 €)

Für Vielbahn-Fahrer, ob Tourist oder Einheimischer, gibt es ein 7-Tages-Ticket für 50 €. Mit diesem ist die freie Fahrt innerhalb dieses Zeitraumes auf allen Linien zu jeder Uhrzeit gestattet.

Gruppen ab 10 Personen erhalten reduzierte Preise, müssen aber angemeldet werden.

Große Hunde werden zum halben Preis mitgenommen und müssen angeleint werden, Kleine reisen gratis auf dem Schoß.

Die gültigen Tickets sind entweder am jeweiligen Bahnhof zu erstehen (zumindest kurz vor Abfahrt sind die Bahnhofshäuschen auch besetzt) oder direkt im Zug, wenn es sich um eine Bedarfshaltestelle (arrêt facultativ) handelt.

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