Sartène

Sartène, eine Kleinstadt im Südwesten Korsikas mit ca. 3200 Einwohnern, liegt in wunderschöner Panoramalage auf einem Balkon über dem Rizzanese-Tal mit Blick über den gesamten Golf von Valinco im Westen. Der französische Schriftsteller Prosper Mérimée nannte Sartène die „korsischste aller Städte“ – und tatsächlich vermitteln die hohen, eng aneinander gebauten Granithäuser der Stadt einen verschlossenen, fast festungsähnlichen Charakter und erinnern an die dunklen Zeiten der Vendetta, der Blutrache, die hier bis ins 19. Jahrhundert die Gesellschaft beherrschte. In Sartène haben sich korsische Traditionen länger gehalten als anderswo, berühmtestes Beispiel  ist die Catenacciu-Prozession am Karfreitag, die sich kein Oster-Urlauber auf Korsika entgehen lassen sollte. Wenn man aber im Sommer durch die malerischen Gassen der Altstadt bummelt  und von einem Straßencafé aus das touristische Treiben auf der Place Porta auf sich wirken lässt, dann ist von der  finsteren Vergangenheit der Stadt kaum mehr etwas zu spüren.
Die Gegend um Sartène (das „Sartenais„) ist eine der ältesten Kulturlandschaften der Insel und bietet dem Urlauber eine Fülle an prähistorischen Fundstätten, wie z. B. die berühmten Menhire und Dolmen auf dem Pianu di Cauria.

Geschichte Sartènes

Sartène AltstadtSartène erlangte erst im 16. Jahrhundert unter den Genuesern Bedeutung, die die Stadt 1516 befestigten und mit einem Mauerring umgaben. In dieser Zeit war die Stadt nur genuesischen Familien als Wohnort vorbehalten. 1565 eroberte Sampiero Corso die Stadt, wenige Jahre später wurde die Stadt bei einem Piratenüberfall geplündert und alle 4000 Einwohner als Sklaven nach Nordafrika verschifft. Im 17. Jahrhundert wurde die Stadt wiederaufgebaut und die heutige Befestigungsanlage um die Altstadt errichtet. Außerhalb der Mauern entstand das Viertel Borgo, in dem sich nun korsische Bauern niederlassen durften und in dem heute noch die ärmere Bevölkerung Sartènes lebt. Im 18. und 19. Jahrhundert herrschte in Sartène das Banditentum und die Vendetta, eine Blutrache, die sowohl bei Streitereien zwischen verfeindeten Familien als auch zwischen Bewohnern des reichen Altstadtviertels Santa Anna und dem ärmeren Borgo bis 1834 üblich war. Heute ist Sartène Sitz der Unterpräfektur für Südwestkorsika und aufgrund ihres großes Gemeindegebietes flächenmäßig die größte Gemeinde Korsikas.

Sehenswürdigkeiten in Sartène

Sartène SpezialitätenladenDie Place Porta (offiziel „Place de la Libération“) ist mit ihren Cafés lebendiger Mittelpunkt der Stadt. Gegenüber befindet sich die Église Sainte-Marie Assunta aus dem 17. Jahrhundert,  in der auch das Kreuz und die Kette aufbewahrt werden, die für die Catenacciu-Prozession verwendet werden. Zwischen der Kirche und dem Rathaus, dem ehemaligen Gouverneurspalast der Genueser, öffnet sich ein Durchgang zu der ehemals vornehmen Altstadt Santa Anna mit ihren grauen Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Unbedingt lohnenswert ist ein Streifzug durch die Gassen der Altstadt, die durch schmale Durchgänge miteinander verbunden sind, die manchmal auch in einer Sackgasse enden. Charakteristisch sind außerdem die außenliegenden Treppen, die zu den Wohnungseingängen bis in den 2. Stock führen. Oberhalb der Altstadt befindet sich im ehemaligen Gefängnis das Musée de la Préhistoire Corse (Museum der korsischen Frühgeschichte), in dem viele Fundstücke aus den prähistorischen Stätten der Umgebung Sarténes besichtigt werden können. Das mittelalterliche Flair Sartènes wiederum erlebt man am besten bei einem Bummel durch die malerischen Gassen des Stadtteils Borgo mit seinem Angebot an liebevoll gestalteten Andenkenläden, Spezialitätengeschäften und Restaurants.

Die Catenacciu-Prozession in Sartène

Einen unvergesslichen Eindruck von den Traditionen Korsikas erhält der Urlauber bei der alljährlich zu Ostern am Abend des Karfreitags stattfindenden Prozession U Catenacciu, die weit über die Grenzen Korsika hinaus bekannt ist. Dabei schleppt der barfüßige Catenacciu, der „Große Büßer“, eingehüllt in ein rotes Gewand und durch eine Kapuze nicht erkennbar, ein über 30 kg schweres Holzkreuz und wird von einer 14 kg schweren Kette („catena“) an seinen Füßen zusätzlich behindert. Die Prozession beginnt an der Église Sainte-Marie und bewegt sich durch die von Kerzen erleuchteten Gassen der  Altstadt und des Borgo voran. Der Catenacciu wird gefolgt von einem „Weißen Büßer“ und weiteren acht schwarz gekleideten Büßern, die eine Holzfigur des toten Christus unter einem Baldachin mittragen. Die Identität des Catenacciu ist nur dem Pfarrer bekannt und so geht der „Große Büßer“ unerkannt den Leidensweg Jesu nach, um eine schwere Schuld zu büßen und auf diesem Wege Vergebung zu erlangen.

Ziele in der Umgebung von Sartène

  • Pianu di Cauria
    Das Hochplateau von Cauria in der Umgebung von Sartène gilt als die größte Ansammlung von prähistorischen Fundstätten aus der Megalithzeit im gesamten Mittelmeerraum. Trotzdem wird bisher keine der archäologisch so interessanten Stätten als offizielle Ausstellung präsentiert und gerade das macht wohl den besonderen Reiz dieser Stätten aus – auf oft unmarkierten Wanderwegen gelangt man unvermutet zu einer Wiese, auf der zwischen frühgeschichtlichen Menhiren im Sommer die Rinder weiden.
    Ca. 15 km südlich von Sartène erreicht man bei Cauria einen Parkplatz, von dem aus man über einen Rundweg drei große Fundstätten auf einmal  erwandern kann:
    • Der Dolmen von Fontenaccia befindet sich auf einem kleinen Hügel und ist der am vollständigsten erhaltene Dolmen Korsikas. Er besteht aus sechs Granitplatten mit ca. 1,5 m Höhe und einer 3 m langen Deckplatte. Mit dem daneben liegenden Menhir könnte die Grabanlage verschlossen worden sein.
    • In einem lichten Wald vor den Felsen von Cauria trifft man auf das Alignement de Renaggiu, eine Ansammlung von ca. 40 Menhiren, die ursprünglich in zwei Halbkreisen angeordnet waren. Einige der Menhire sind zerbrochen oder umgefallen und verleihen gerade dadurch der Anlage eine fast mystische Atmosphäre.
    • Beim Alignement de Stantari stehen elf Menhire wie Statuen auf einer Wiese, bei einigen sind noch eingemeißelte Waffen und Gesichtszüge erkennbar.
      Forscher sind sich heute einig, dass sich auf dem Pianu de Cauria ein megalithisches Kultzentrum befunden hat. Die Statuen und Dolmen gehörten zu einem Totenkult, in dem sowohl die Verehrung der Verstorbenen als auch die Furcht vor ihnen zum Ausdruck kommt.
  • Alignement de Palaggiu
    Eine weitere, etwas schwerer zugängliche Fundstätte, das Alignement de Palaggiu, befindet sich in der Nähe der Ortschaft Tizzano, wenige Kilometer von den Menhiren von Cauria entfernt.  Mit seinen 268 Menhiren, angeordnet in vier Reihen, ist es die größte Ansammlung von Megalithen im Mittelmeerraum. Die Monolithe liegen teilweise umgefallen und zerbrochen in der Maccia und verleihen dem Ort die Atmosphäre eines ehemaligen Friedhofs.
  • Capu die Roccapina
    Löwe von RoccapinaVom Col di Roccapina, einem kleinen Pass an der Straße nach Bonifacio, hat man einen grandiosen Blick auf das Capu di Roccapina, das südliche Ende der Halbinsel Senetosa, bekannt bei Korsika-Urlaubern wegen seiner bizzaren Felsverwitterungen, in deren Formen sich die Gestalten von Tieren erkennen lassen. Der bekannteste und am häufigsten fotografierte Felsen ist der Rocher du Lion (Löwe von Roccapina), ein verwitterter Granitfelsen, der an die Form eines Löwen erinnert, der Legende nach aber einen Adeligen darstellt, der aus Liebeskummer zu Stein wurde.
  • Spin‘ a Cavallu
    Ca. 8 km nördlich von Sartène im Rizzanese-Tal trifft man auf die genuesische Brücke Spin‘ a Cavallu („Pferderücken“). Die Brücke aus dem 13. Jahrhundert liegt in malerischer Landschaft und wurde wunderschön restauriert. Schöne Wanderungen führen von hier zu den Dörfern Arbellara und Fozzano mit wunderbaren Ausblicken über den Golf von Valinco.

1 KOMMENTAR

  1. ……….. wenige Jahre später wurde die Stadt bei einem Piratenüberfall geplündert und alle 4000 Einwohner ……

    Das war doch 1583 und die ‚Sarazenen‘ raubten 400 Bürger! Bei 4000 hätten die das gesamte Sartenais ausgeraubt, oder?

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