Paghjella: Traditionelle korsische Gesänge & Musik

Paghjellas sind traditionelle korsische Gesänge, die meist mehrstimmig und a capella gesungen werden. Sie setzen sich aus drei Stimmlagen, u bassu, a segonda und a terza, zusammen und improvisieren auf vorgegebenen Schemata. Die Lieder besingen neben vergangenen Zeiten auch brisante politische Themen, aber natürlich auch die Liebe, die korsische Natur und die Jungfrau Maria.

Erinnern Sie sich an die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 1992 in Albertville? Die korsische Band Nouvelles Polyphonies Corses wurde mit ihrem Lied Giramondu über Nacht weltberühmt.

korsische Sänger

Aber was hat es mit diesen traditionellen korsischen Gesängen auf sich? Was ist das Besondere an Polyphonen Liedern? Und wo wird diese Musik heute dargeboten?

In den 1970er Jahren, als die korsische Kultur und Sprache nach und nach wieder mehr an Bedeutung gewannen, begannen junge korsische Musiker altes Liedgut, das im Bergland rund um Corte von greisen Männern, meist Hirten, überliefert wurde, neu zu interpretieren. Seither verhelfen diese Lieder vielen jungen Korsen, ihre Wurzeln und ihre Identität wiederzufinden.

korsischer Sänger

Video: Nouvelles Polyphonies Corse

Paghjella Musikgruppen aus Korsika

Die Gruppe Canta U Populu Corsu wurde 1973 als erste Paghjella-Band gegründet und war lange Zeit Vorreiter und Vorbild für die vielen Gruppierungen, die sich inzwischen formiert haben. Dazu gehören heute Namen wie I Muvrini („Die kleinen Mufflons“), A Filetta und Novi, um nur einige zu nennen.

Korsische Band

I Muvrini mit den Brüdern Bernardini geben heute nicht nur Konzerte auf Korsika, sondern auch in Frankreich, Deutschland, Schweiz, den USA, Kanada und Japan. A Filetta veranstaltete 1989 das erste polyphone Festival in Calvi, welches seither jedes Jahr Mitte September unter freiem Himmel stattfindet.

Traditionsgemäß war und ist polyphoner Gesang eine Männerdomäne. Doch Nathalie Simonetti und auch Soledonna, deren ursprüngliche Band eben die berühmten „Nouvelles Polyphonies Corses“ waren, mischen die Männerband auf erfrischende Art auf.

Patrizia Poli, Sängerin bei Soledanna, lässt in einem Interview hinter die Kulissen blicken. Als sie damals in den 70ern anfingen mit ihrer Musik, waren Auftritte auf korsisch noch keine Folklore für Touristen, wie heute manchmal, sondern der Gesang war ein politisches Statement.

Musikgruppe korsisch

Weitere Liedformen für entsprechende Anlässe

  • NANA – Wiegenlied
  • SIRINATA – Ausdruck der Freude oder Liebeserklärung
  • LAMENTU – Totenklage
  • VOCERU – rief früher zur Blutrache, die Vendetta, auf
  • CHJAM E RISPONDI – zwei Sänger „batteln“ sich gegenseitig in einer Art Wettstreit zu möglichst originellen und poetischen Parolen

Zitat von Patrizia Poli über korsische Musik

„Es war eine heiße Zeit, in der es fast ein Verbrechen darstellte, auf korsisch zu singen. Wir wurden von der Polizei vorgeladen, weil wir Konzerte organisierten. Heute ist das zum Glück anders! Dank all der Menschen, die dafür gekämpft haben, dass wir unsere Sprache sprechen, in unserer Sprache singen und unsere Kultur leben können.“

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