Monte Cinto Wanderung

Es ist 4:20h, der Wecker klingelt. Erst 5 Stunden zuvor waren wir beim Feuerwerk zum Nationalfeiertag am Strand.

Leise und etwas aufgeregt schleiche ich mich aus dem Bungalow und lasse meine Familie schlafend zurück. Es ist noch dunkel, alles ist ruhig im Feriendorf. Beim „Früh-Frühstück“ trifft sich die 6-köpfige Gruppe, die heute den Monte Cinto von Nord nach Süd überqueren möchte.

Um 5:00 h brechen wir in der Morgendämmerung auf nach Haut Asco, unserem Ausgangspunkt. Edgar ist Profi und schläft nach kurzer Fahrt wieder ein. Die Anderen halten sich mit Gesprächen über bisherige Wanderungen wach. Als nicht trainierte Flachländerin bekomme ich immer mehr Respekt vor meinen Mitstreitern und werde etwas stiller.

In Haut Asco ist es noch menschenleer und frisch. Der Weg führt anfänglich an Lariccio- Kiefern vorbei, die in der Morgenfeuchtigkeit stark duften. Schnell wird der Weg steiler und es kommt ein starker Wind auf. Ich kämpfe mit dem ungewohnten Aufstieg, laufender Nase und tränenden Augen. Nach einer halben Stunde habe ich meinen Rhythmus gefunden und blicke auf: wir befinden uns inzwischen jenseits der Baumgrenze auf dicken Granitblöcken. Der Blick zurück ins Tal in die goldene Morgensonne entschuldigt anfängliche Strapazen der Wanderung. Die Luft ist wunderbar klar und frisch. Wir haben weite Sicht bis zur Küste. Ich muss daran denken, was den anderen Gästen im Feriendorf entgeht, die um diese Uhrzeit gerade einmal den Weg vom Bett bis zum Frühstücksbuffet zurückgelegt haben. Mit den Augen verfolge ich den Pfad nach oben und bin beeindruckt. Da oben hin soll ich wandern??

Unsere kleine Gruppe ist sehr homogen, rücksichtsvoll und bleibt zusammen. Der griffige Granit läuft sich gut – zwischendurch immer wieder ein kurzes, nettes Gespräch – die Zeit vergeht schnell. Oben angekommen bin ich zwar etwas geschafft, aber glücklich und auch ein bisschen stolz.

Der Abstieg vom Gipfel des Monte Cinto auf der Südseite beginnt anfangs steil und ich muss mich darauf konzentrieren, wo ich meine Füße hinsetze. Danach verläuft der Wanderweg in Serpentinen durch viel Geröll. Es ist jetzt windstill und heiß. Im Tal angekommen ist es mir beim Rückblick unbegreiflich, dass ich jemals da oben gewesen bin.

Unser Fahrer wartet bereits. Die holprigen Schotterwege sind eigentlich nicht befahrbar, haben tiefe Schlaglöcher und Rinnen. Doch für Edgars Fotos kann der Wagen gar nicht schräg genug liegen. Unser Fahrer hat sichtlich Spaß und mein Nachbar kaut immer schneller auf seinem Übelkeits-Kaugummi.

Wir kehren unterwegs noch in einer Bar ein und lassen die Tour gemütlich ausklingen. Das kühle korsische Pietra Bier hat selten so gut geschmeckt!

 Basierend auf einem Erfahrungsbericht von Frau Dr. S. Hotze

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