GR20 Weitwanderweg Korsika – Grande Randonnée

Die wichtigsten Informationen zum GR20 Weitwanderweg auf Korsika auf einen Blick:

Dauer: ca. 15 Tage
Länge: ca. 180 km
Höhenmeter: ca. 12.500 Hm
Start: Calenzana (im Nord-Westen)
Ziel: Conca (im Süd-Osten) – auch „Conza“ geschrieben.
Gliederung: 15 Etappen
Mögliche Wanderzeit: Mitte Juni bis Ende Oktober
Anforderungen: Kondition, Trittsicherheit, gute Ausrüstung, Schwindelfreiheit
Unterbringung: Übernachtung in Bergerien oder Camping neben Berghütten (Refuge) möglich
Verpflegung: Schutzhütten bieten Getränke und warme Mahlzeiten an

GR 20 Wanderweg Korsika

Der Grande Randonnée 20 (GR 20) ist ein alpiner Fernwanderweg auf der Mittelmeerinsel Korsika. Über 180 Kilometer geht es vom Norden in Richtung Süden, quer über die korsische Gebirgswelt. Dieser Wanderweg zählt zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Touren Europas. Der Start befindet sich in der Stadt Calenzana, im Nord-Westen bei Calvi. Das Ziel erreichen Sie im Süd-Osten der Insel in der Stadt Conca. Immer in Richtung Süden führt der Bergwanderweg durch unberührtes Gelände mit bis zu 2.400 Höhenmetern. Die Kletterstellen und Passstraßen, die es zu Überqueren gilt, sind nichts für Ungeübte. Der Großteil des GR 20 führt durch den Naturpark „Parc Naturel Régional de Corse“ Korsikas, wobei der Weg anhand einer rot-weißen Markierung auf Felsen und Bäumen gekennzeichnet ist. Der Wanderer erlebt hier die Vielseitigkeit und einzigartige Schönheit der Insel mit all ihren Kontrasten.

Calenzana
Calenzana

Den GR 20 kann man ab Mitte Juni bis Ende Oktober begangen werden. Nur in diesen Monaten sind die Gebirge großteils schnee- und eisfrei. Entlang des Wanderweges finden Sie immer wieder Schutzhütten, die Getränke und warme Mahlzeiten anbieten. Früher, als die Lebensmittelversorgung in den Bergregionen noch eingeschränkt war, mussten sich die Wanderer selbst mit Proviant ausstatten. Heute werden sogar Nächtigungen in den Bergerien am Rand des Fernwanderweges angeboten, zum Teil sogar mit Vollverpflegung (Vorreservierung empfohlen). Die Unterkünfte sind meist einfache Hütten, in denen Sie vor der Witterung geschützt sind. Wir empfehlen Ihnen jedenfalls immer einen warmen Schlafsack dabei zu haben. Wer zelten möchte, kann dies bei den sogenannten „Refuges“ – „Berghütten“ machen. Im freien, wilden Gelände ist das Campieren meist verboten.

Wer den gesamten GR 20 durchwandern möchte, benötigt ca. 15 Tage. Da selbst im Sommer auf den obersten Gipfeln noch Schnee liegen kann, ist der Weg nicht ganz ungefährlich. Der Fernwanderweg hat alpinen Charakter, fordert reichlich Kondition, Trittsicherheit, gute Ausrüstung und an manchen Stellen auch Schwindelfreiheit.

Der Weg durch die Bergwelt von Korsika ist meist geprägt von rauer Einsamkeit. Neben einigen Hirten und Ihren Mitwandernden werden Sie außerhalb der Saison kaum jemandem begegnen. Beim Blick auf die einzigartige Landschaft, dem Meer und die umliegenden Berge, nimmt man diese Mühen aber gerne auf sich.

Die 15 Etappen des GR 20

GR20 Wanderweg Korsika
Verlauf des GR20 Weitwanderweges durch Korsika (Quelle Wikimedia, Markus Schweiß)

1. Etappe: Calenzana – D’Ortu di u Piobbu

Länge: 10,5 km
Gehzeit: ca. 5,4 Stunden
Höhenmeter: 1360m↑ / 60m↓

Beim nördlichen Ausgangspunkt des GR 20 in der kleinen Stadt Calenzana beginnt bereits der erste steile Anstieg. Der Weg windet sich über Bachbetten immer weiter hinauf. Ab der Mitte der ersten Etappe werden Sie dann steil durch Kiefern- und Eichenwälder bis hin zur sogenannten „Bocca“ (grasbewachsener Sattel) geführt. Nun geht es steil bergab, aber nur kurze Zeit, denn dann beginnt ein erneuter Anstieg. Bis hin zum Capu Ghiovu ist der Weg teilweise mit Seilen gesichert. Hier wird Ihre Schwindelfreiheit gleich schon auf die Probe gestellt. Nach dem Gipfel geht es dann entspannt durch einen Birkenwald, wo Sie wieder Kräfte tanken können.

Wegweiser GR20

2. Etappe: D’Ortu di u Piobbu – Refuge de Carozzu

Länge: 8,5 km
Gehzeit: ca. 3,5 Stunden
Höhenmeter: 790m↑ / 640m↓

Der heutige Tag ist geprägt von felsigem Gelände. Der Weg führt zuerst durch einen kleinen Birkenwald und dann vorbei an einem Bach. Danach ändert sich die Strecke und geht über glatte Felsplatten und groben Granitblöcken. Sie wandern durch eine langgezogene, schluchtartige Rinne (Couloir) bergauf, auf die vor Ihnen liegende Kuppe „Bocca Piccaia“.

Oben angekommen, genießen Sie einen wunderschönen Blick auf den Cirque de Bonifatu, ein gigantischer Kessel aus Felsen, umkreist von steilen Wänden und hohen Gipfeln inmitten des Forêt de Bonifato. In südlicher Richtung können Sie bei guter Witterung sogar die Grande Barrière sehen. Dies sind die höchsten Gipfel Korsikas, die die Westküste und die Ostküste trennen. Der Weg geht nun aber zunächst weiter in Richtung Osten. Unterwegs auf dem felsigen, rutschigen und steilen Gelände sind Sie froh, über Ihre gute Ausrüstung und die trittfesten Bergschuhe. Sie wandern auf dem Berg Capu Ladroncellu bis hin zur Punta Ghialla und der Bocca Carozzu. Hier können Sie wieder etwas entspannter gehen. Zuletzt führt Sie eine Rinne wieder bergab und Sie erreichen wieder ein Stück Waldgebiet. Ihr Tagesziel ist bei der Hütte von Carozzu somit erreicht.

3. Etappe: Refuge de Carozzu – Haut Asco/Altore

Länge: 4,5 km
Gehzeit: ca. 3,5 Stunden
Höhenmeter: 780m↑ / 920m↓

Der heutige Tag beginnt mit einem Aufstieg von ca. 800 Höhenmetern. Danach führt Sie der Weg durch die Schlucht des Spasmiata-Baches. Die Schlucht ist spektakulär aber gleichzeitig gefährlich. Vor allem bei feuchtem oder nassem Wetter ist die Durchquerung fast nicht zu meistern, da der Weg sehr glatt und rutschig ist. Immer dem Bach entlang kommen Sie über mehrere Terrassen bis zum Zusammenfluss mit einem weiteren Bach. Nun geht es weiter in ein kleines Tal und zum Lac de la Muvrella.

Die nächste Anhöhe nennt sich Bocca di Stagnu. Nur wenige Meter bevor Sie diese erreichen, teilt sich der Weg in zwei Abzweigungen.

1. Variante: Die eine Gabelung ist der alpine Weg, den Sie aber bei schlechter Witterung nicht nehmen sollten! Sie folgt dem alten Weg des GR 20, der einst zu einer Hütte führte. Da diese Berghütte jedoch seit 1984 nicht mehr existiert, geht der Weg am selben Tag noch weiter bis zum Refuge de Tighiettu, womit Sie bereits jetzt das morgige Tagesziel erreicht haben. Dieser Weg ist etwas für geübte Wanderer mit viel Kondition! Vom Bocca Culaghia über den Punta Culaghia, vorbei am Punta Stranciacone bis hin zur Brèche de Missoghiu durchwandern Sie die Bergwelt auf einer Höhe von 1.800 bis 2.000. Nach der Brèche de Missoghiu gelangen Sie wieder auf den GR 20. Der weitere Verlauf des Weges wird unter Etappe 4 beschrieben.

2. Variante: Der andere Weg, der Ihnen zur Verfügung steht, ist weniger schwierig und führt über die A Muvrella nach Haut Asco. Bei der A Muvrella übersteigen Sie die Grand Barrière, die Sie einen Tag zuvor noch von weitem gesehen haben. Direkt neben Ihnen ragt stolz der höchste Berg Korsikas, der Monte Cinto in den Himmel. Danach führt Sie ein steiler Abstieg nach Haut Asco.

Monte Cinto

4. Etappe: Haut Asco/Altore – Refuge de Tighiettu

ACHTUNG: Aufgrund eines Erdrutsches im Juni 2015 ist die 4. Etappe gesperrt und zu umgehen. Die Umleitung ist gelb markiert. Wer möchte kann auch einen Shuttlebus bis zur nächsten Etappe nehmen.

Länge: 6,5 km
Gehzeit: ca. 5 Stunden
Höhenmeter: 1059m↑ / 798m↓

Bei Haut Asco, wo Sie die heutige Etappe starten, bietet sich die Gelegenheit, den GR 20 für einen Tag zu unterbrechen und beispielsweise den Monte Cinto zu besteigen. Für den Aufstieg zum Dach Korsikas benötigt man zwar keine überragenden Kletterkünste, eine gute Kondition wird aber sehr wohl verlangt. Den Abstecher auf diesen Berg können Sie nur unternehmen, wenn Sie den GR 20 für einen Tag unterbrechen, da die Wanderung hin und zurück ca. 8 Stunden dauert.

Stranciacone

Wer auf den Monte Cinto verzichten möchte, für den geht es eine Stunde am Ufer eines Baches entlang. Nachdem sich der Wald lichtet, erblicken Sie die Gipfel des Punta Stranciacone und des Punta Missoghiu, an desen Fuße Sie entlang wandern. Hier trifft der alpine Wanderweg von gestern wieder auf den Hauptweg, der zu den Ruinen der Altore-Hütte und dem Pic Von Cube führt. Weiter geht es dann in Richtung Col Perdu. Wer Glück hat, kann hier ein paar Mufflons, die korsischen Wappentiere, zu Gesicht bekommen.

stranciacone2

Plötzlich stehen Sie dann vor dem Cirque de la Solitude, dem steilen, engen Felskessel der als Schlüsselstelle des GR 20 bezeichnet wird. Nun beginnt einer der schwierigsten Abschnitte auf dem Fernwanderweg. Es geht 200 Meter fast senkrecht in den Kessel hinab. Obwohl der Abstieg zur Gänze mit Seilen und Ketten gesichert ist, sollten Sie die glatten Felsen sehr vorsichtig beschreiten. Bis in den Juni hinein kann man mit Schnee und Eis in dem Cirque rechnen. Endlich glücklich unten angekommen, sehen Sie dann schon den Aufstieg im Süden, der genauso steil und gefährlich aus dem Kessel hinaus führt. Dieser Abschnitt ist ein unvergessliches Erlebnis, bei dem es viele Ängste zu überwinden gilt. Den Cirque de la Solitude hinter sich gelassen, folgt noch ein weiterer Abstieg, dann haben Sie die Hütte für die heutige Übernachtung erreicht.

Seit Juni 2015 wird der GR 20 am Fusse des Monte Cinto umgeleitet und verläuft nicht mehr durch den Cirque de la Solitude.

5. Etappe: Refuge de Tighiettu – Refuge de Ciottulu di i Mori

Länge: 6,5 km
Gehzeit: ca. 3,5 Stunden
Höhenmeter: 620m↑ / 80m↓

Um zum Refuge de Tighiettu zu gelangen, können Sie auch eine weitere Strecke wählen, die nicht über den Cirque de la Solitude sondern über den Monte Cinto führt. Bei dieser Variante wandern Sie an der Flanke des Monte Cinto entlang. Es ist die deutlich längere Route und erfordert eine sehr gute Kondition um gegen Abend am Ziel anzukommen.
Auch der heutige Start bei der Hütte am Tighiettu bietet sich gut als Ausgangspunkt für eine Besteigung des höchsten Berges Korsikas, der Monte Cinto, an. Von hier aus benötigen Sie nur ca. 8 Stunden und es sind auch nicht ganz so viele Höhenmeter zu bewältigen wie vom letzten Standpunkt, dem Haut Asco, aus.

Monte Cinto

Die heutige Etappe ist eine etwas leichtere Strecke, auf der Sie die Landschaft genießen und die Muskeln erholen können. Vorbei an Kiefernwälder, Bächen und wilder Macchia wandern Sie durch das Stranciaconetal. Mitten im Tal finden Sie dann ein kleines Lokal in der Bergerie de Ballone, was zur Abwechslung mal eine nette Überraschung ist. Wer vom bergsteigen nicht genug kriegen kann, für den bietet sich hier die Möglichkeit Calasima, das höchste Dorf Korsikas, zu besichtigen. Der Auf- und Abstieg dauert ca. 2 Stunden.

Wieder auf dem Fernwanderweg angelangt, geht es auf den nächsten Berg. Die fünf Zinnen der Cinque Frate warten schon vor Ihnen. Quer durch Felsen und Geröll geht es hinauf bis zum Refuge. Die Hütte Ciottulu di i Mori erreichen Sie dort. Wieder gibt es eine tolle Route die Paglia Orba, diesmal die „Königin der korsischen Berge„, zu besteigen. Der Berg erhebt sich gewaltig in schwindelerregende Höhe und bietet einen traumhaften Blick auf das „Loch des Teufels“ im Capu Tafunatu. Die Besteigung ist für Klettererfahrene gut zu bewältigen, einzige Voraussetzungen: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Witterung.

Paglia Orba

6. Etappe: Refuge de Ciottulu di i Mori – Refuge de Manganu

Länge: 24 km
Gehzeit: ca. 8 Stunden
Höhenmeter: 643m↑ / 1033m↓

Heute brauchen Sie ausgeruhte Beine und viel Motivation. Die längste Etappe mit ca. 24 Kilometern steht an. Vorteil: die heutige Strecke ist eine der einfachsten und führt Sie durch leichtes, fast ebenes Gelände bergab. Sie laufen in einem weiten Bogen in Richtung Westen. Nun folgt einer der schönsten Abschnitte des Fernwanderweges. Der Weg führt Sie entlang des Golobaches. Dank der Kraft des Wassers sind viele Gumpen entstanden. Abgehärtete können sich hier eine kühle Erfrischung gönnen und einen Sprung ins kalte Gebirgswasser wagen.

Plateau beim Nino-See

Nun geht die Reise aber wieder weiter und es gibt eine Menge verschiedener Wegvariationen. Wählen Sie je nach Laune und Kondition einen der alten Hirtenwege. Schlussendlich erreichen Sie dann, auf welche Weise auch immer, die Höhe der Bocca Reta und den Lac de Nino (zweitgrößter See Korsikas). Das Baden hier ist aus Naturschutzgründen allerdings streng verboten. Auf Ihrem weiteren Weg zum Rotondo-Massiv kommen Sie an den Bergerien Inzecche und Vaccaghia vorbei. Hier können Sie in den Sommermonaten direkt vom Bauer korsische Spezialitäten erwerben. Gestärkt geht es dann noch über die Ebene Pianu di Campotile und zum Refuge de Manganu, dem heutigen Tagesziel.

7. Etappe: Refuge de Manganu – Refuge de Petra Piana

Länge: 8,5 km
Gehzeit: ca. 4,5 Stunden
Höhenmeter: 830m↑ / 589m↓

Heute erwarten Sie Felsen, Geröll, ein paar Kletterpartien, wenig Schatten und das alles oberhalb der 2.000 Meter Grenze! Immer in Richtung Süd-Osten durchwandern Sie ein Trogtal, eine moorige Ebene und gelangen durch Geröllfelder schließlich zur Brèche de Capitello. Nun bietet sich Ihnen ein toller Ausblick auf den Lac de Capitello und den Lac de Melo. Vor allem in den frühen Morgenstunden, bei Sonnenaufgang ist dieser Ort besonders schön.

Capitello-See

Der Weg geht nun weiter durch eine zerklüftete Felslandschaft ins Gebirge. Auf dem Col de Rinoso angekommen, haben Sie wieder einen traumhaften Rundumblick über drei Seen. Weiter geht es zum Col de la Haute Route, hier steigen Sie auf ca. 2.200 Höhenmeter hinauf. Nach dem Südosthang der Maniccia wandern Sie über das Refuge de Petra Piana, immer in Richtung Monte Rotondo. Auf diesem Streckenabschnitt werden Sie mit Sicherheit manchen verwilderten korsischen Hausschweinen begegnen.

8. Etappe: Refuge de Petra Piana – Refuge de l’Onda

Länge: 10 km
Gehzeit: ca. 5 Stunden
Höhenmeter: 490m↑ / 900m↓

Von Ihrem heutigen Standpunkt aus lässt sich der Monte Rotondo gut besteigen. Sie sind ca. 5 Stunden unterwegs und kommen dabei auch an einem schönen Bergsee, dem Lavu Bellebone, vorbei. Wieder weiter auf unserer GR 20 Route haben Sie zwei Wanderwege zur Auswahl.

Monte Rotondo

1. Variante: Diese Tour führt durch das Manganello– und das Grottacciatal. Hier finden Sie besonders viele schöne Badegumpen. Zunächst geht der Weg bergab und an der Bergerie de Gialgo und der Bergerie de Tolla vorbei. Dann über zwei Bäche und entlang des dritten Baches namens Manganello. Nun laufen Sie in Richtung Südwesten zum Grottacciatal. Dieses Tal ist geprägt von einer wilden, fast dschungelartigen Vegetation. Am Talrand angekommen, ist das heutige Etappenende erreicht.

2. Variante: Die alpine Bergtour ist kürzer, aber auch anstrengender und nur bei guter Witterung zu empfehlen. Quer über die Kuppen Bocca Manganello, Bocca a Meta und Bocca d’Oreccia.

Der Weg über die Kuppen bietet Ihnen lange und weite Blicke über Korsika. Besonders das Massiv um den Monte Rotondo steht dabei in Ihrem Blickfeld. Vom höchsten Punkt aus, dem Pointe de Pinzi Corbini, erblicken Sie sogar das Meer und können sich daran erinnern lassen, dass Sie hier doch auf einer Insel sind und nicht in den Alpen.

9. Etappe: Refuge de l’Onda – Vizzavona

Länge: 11 km
Gehzeit: ca. 5 Stunden
Höhenmeter: 711m↑ / 1221m↓

Zu Beginn des heutigen Tages können Sie entscheiden, ob Sie die alpine oder die niedriger verlaufende Variante nehmen möchten. Die niedriger verlaufende bringt Sie über die Crête de Muratello und zu den Füßen des Pointe Migliarello ins Agnone-Tal und von dort nach Vizzavona. Diese Variante ist nicht sehr lang und auch nicht besonders anstrengend, so dass Sie einen Abstecher auf den Pointe Migliarello in Betracht ziehen können. Der Aufstieg hat nur leichte Kletterpartien und belohnt die Anstrengung mit einem schönen Fernblick.

Auf den Monto d’Oro
Die tief eingeschnittenen Kare, Trogtäler und Gletscherseen sind Beweise für die eiszeitliche Vergangenheit rund um den Monte d’Oro und machen die Wanderung auf den Gipfel hinauf zu einem Erlebnis in Sachen Erdgeschichte und Geologie.

Dank der freistehenden Lage können Sie unter anderem auf die großen Gipfel blicken, die Sie schon passiert haben: Monte Cinto, Paglia Orba und viele andere. Schotter, loses Geröll, einige Kletterabschnitte und ein schmales Couloir hinter dem Gipfel machen diese Variante zu einem anspruchsvollen Weg.

Vizzavona im Agnone-Tag
Das letzte Stück führt Sie über den Ghilaret- oder den Agnone-Bach bis Sie dann Vizzavona erreichen, eine kleine Stadt mit bewegender Vergangenheit. Früher waren die Stadt, das Tal und der Pass hart umkämpft, da sich mit der Herrschaft über den nahe gelegenen Pass auch die Herrschaft über die Bergwelt der Insel verband. Vizzavona wurde im 19. Jahrhundert durch den Bau der Eisenbahn richtig erschlossen und erhielt den Ruf als beliebte Sommerresidenz „Petit Suisse“ (kleine Schweiz). Leider verfallen heute die ehemals hochherrschaftlichen Hotels und lassen kaum mehr als eine Erinnerung an den alten Glanz aufkommen.

10. Etappe: Vizzavona – Capannelle

Länge: 13 km
Gehzeit: ca. 5 Stunden
Höhenmeter: 890m↑ / 224m↓

Vizzavona ist so was wie das Drehkreuz des GR 20. Hier teilt sich der Weg in einen langen Nord- und einen kürzeren Südabschnitt. Wanderer, die nicht den ganzen GR 20 am Stück laufen möchten oder können, beginnen oder enden meist an diesem Ort. Vizzavona ist der am niedrigsten gelegene Etappenort zwischen Calenzana und Zonza.
Der Südteil ist insgesamt weniger alpin als der zuvor durchwanderte Nordteil. Zudem ist der Teil wasserreicher, was eine Erleichterung hinsichtlich des Gepäcks bedeutet. Die atemberaubende Bergwelt und die außergewöhnliche Natur sind aber auch auf diesem Teil garantiert.

Ein sturmgepeitschter Pass
Mit einem langen Anstieg durch den Wald hinauf auf die Bocca Palmente beginnt der GR 20 auf dem südlichen Teil. Eine windgebeutelte, völlig offene Passhöhe erwartet Sie am Ende des Aufstiegs. Anschließend passieren Sie drei typische Bergeries, ehe Sie am Monte Renoso ankommen, einem Ausläufer des schwer zugänglichen Gebietes Fium’Orbu. Ein eventueller Auf- und Abstieg nähme ca. 4 Stunden in Anspruch, wird aber dafür mit Blicken auf die Bergwelt und das tyrrhenische Meer belohnt.

Monte Renoso
Den Monte Renoso können Sie auf verschiedene Weisen in die Wanderung einbinden. Die Routen sind nicht offiziell und daher auch nicht mit Wegmarkierungen gekennzeichnet. Die Wege sind allerdings weitläufig mit Steinmännchen ausgewiesen. Die verschiedenen Routen unterscheiden sich hauptsächlich in Länge und Schwierigkeitsgrad. Somit dürfte für jeden Wanderer das passende dabei sein und am Ende werden alle mit dem gleichen Erlebnis belohnt. Der Weg zur Hütte von Capanelle ist auch ohne Aufstieg auf den Gipfel zu bewältigen.

Monte renoso

11. Etappe: Capannelle – Refuge de Prati

Länge: 17,5 km
Gehzeit: ca. 6 Stunden
Höhenmeter: 890m↑ / 590m↓

Bis auf den letzten Anstieg kurz vor dem Ziel der Etappe steht Ihnen für die Verhältnisse des GR 20 ein läuferisch eher geruhsamer Höhenweg durch herrliche Wälder bevor, der sich bei etwa 1.500 Höhenmeter einpendelt. Das erste Ziel sind die Bergeries de Tragette, ein malerisches Bergdorf, das sich ausdrucksvoll an den dahinterliegenden Hang schmiegt. Nach Überquerung des Casso-Baches biegen Sie vor dem reißenden Cannareccia nach Westen auf das Plateau de Gialgone ab. Sie steigen dann anschließend zu den Bergeries des Pozzi und zum Marmano-Bach ab, den Sie auf einer modernen Brücke queren.

Durch lichte Wälder und über manch seichte Höhe …
Sie laufen am Ufer des Marmano-Baches bergauf, riesige Tannen säumen den Uferrand. Aufgrund des sanften Überganges von An- zu Abstieg bemerken Sie kaum, dass Sie den Col de Flasca erreicht haben. Dieser stellt eine Wasserscheide zwischen West- und Ostkorsika dar. Sie steigen nun zum Col de Verde ab, hier bietet sich noch die Möglichkeit zu einem weiteren Abstieg bis zum kleinen Dorf Palneca. Der GR 20 führt aber nun in steilen Kehren wieder den Berg hinauf.

12. Etappe: Refuge de Prati – Refruge d’Usciolu

Länge: 10,5 km
Gehzeit: ca. 4 Stunden
Höhenmeter: 700m↑ / 750m↓

Bereits von der Hütte aus können Sie am Morgen früh einen schönen, weiten Blick über die Gegend genießen. Die Sicht reicht bis Ghisonaccia und sogar bis ans Meer (nachts ist der Blick noch schöner). Anschließend geht es auf eine Etappe, die sich weitgehend an Berggrate hält und deshalb auch im weiteren Tagesverlauf in erster Linie atemberaubende Blicke bietet. Das obere Taravo-Tal mit den Ortschaften Palneca, Ciamanacce und Cozzano liegt dabei meist in Ihrem Rücken, die Küstenebene des Fium’Orbo liegt in Ihrer Laufrichtung.

Eine (echte) Gratwanderung …
Zuerst führt der Weg über beweidetets Grasland, nach ein paar Minuten zeigt der GR 20 mit beidseitig steil abfallenden Felspartien sein bekanntes Gesicht. Auf schroffem Grat geht es dann zur Punta della Capella. Um zum Gipfel zu kommen, wird wie beim folgenden Punta di Campitello, in wildem Kreuz und Quer gewandert. Gerade deswegen sollten Sie sich die ganze Zeit auf den Weg konzentrieren. Sie kreuzen dann den Fernwanderweg Mare a Mare Centro und kommen an zwei Abstiegsmöglichkeiten nach Catastaghju und Cozzano vorbei, die allerdings einiges an Zeit kosten.

… als Vorbereitung für weitere Grate
Ein wenig hinter dem Col de Laparo treffen Sie auf die einzige Quelle des Tages. Sie laufen zunächst auf einem anspruchsloseren Abschnitt, schon wenig später kommen Sie wieder an einen Grat und kommen über steile Stufen (später enge Serpentinen) auf den Grat unterhalb des Punta Mozza. Auf einem weiteren Grat streifen Sie den Gipfel des Punta Bianca und laufen unterhalb des Monte Formicola weiter. Wenn Sie nicht auf der nächsten Hütte nächtigen möchten, können Sie auch nach Catastaghju oder Chisa absteigen, müssen dann aber am nächsten Tag ein paar Kilometer mehr laufen, um dann wieder auf den GR 20 zu kommen.

13. Etappe: Refuge d’Usciolu – Refuge d’Asinao

Länge: 16 km
Gehzeit: ca. 6 Stunden
Höhenmeter: 1030m↑ / 1185m↓

Das Coscione-Plateau, die mit fast 70 Quadratkilometern größte Hochebene Korsikas, wird heute durchquert. Als erstes gehen Sie in südwestliche Richtung und begeben sich auf einen messerscharfen Grat, den Arrête des Statues, den Denkmalsgrat. Der ungewöhnliche Name kommt von den vielfältigen, bizarr geformten Felsformationen an beiden Seiten, die irgendwie an Denkmäler und Statuen erinnern. Vom Grat aus haben Sie einen eindrucksvollen Blick ins Umland.

Schwein gehabt?
Nun geht es wieder abwärts auf die Hochebene und in einen immer dichter werdenden Wald. Hier ist es wichtig, gut auf den Weg zu achten. Der Wald ist für die nächste Zeit Ihr Begleiter, wird aber immer wieder von Wiesen durchbrochen. Auf dem Boden werden Sie viele Wühlspuren finden, diese stammen von den hier lebenden echten Wildschweinen, die sich in Wald und Wiese Nahrung verschaffen. Gegen Ende wird der Buchenwald wieder dichter und Ihr Weg führt langsam wieder bergauf.

Monte Incudine
Oberhalb einer Quelle lichtet sich der Wald und Sie steigen zum Col de Luana hinauf. Hier haben Sie einen wunderschönen Blick auf die Westflanke der Crête de la Foce Aperta. Der Aufstieg zum Gipfel des Monte Incudine ist leicht und zudem schön. Der Monte Incudine ist der höchste Berg Südkorsikas und bei gutem Wetter haben Sie einen Blick über den gesamten Süden der Insel. Ein steiler und über glatten Granit führender Abstieg bringt Sie dann über die Bocca Stazzunara runter zur Hütte von Asinao. Erfahrungsgemäß ist der Platz in der Hütte im Sommer knapp, Ausweichsabstiege (sehr lang) führen nach Solaro und Quenza.

14. Etappe: Refuge d’Asinao – Refuge de Paliri

Länge: 15,5 km
Gehzeit: ca. 5 Stunden
Höhenmeter: 650m↑ / 545m↓

Heute steht die Route im Zeichen der Bavella-Gruppe, aus denen sich imposante Felstürme erheben, die zu den reizvollsten bergsteigerischen Aufgaben gehören, die Europa Kletterern zu bieten hat. Aus diesem Grund nennt man sie auch die Dolomiten Korsikas. Die Besteigung der Türme der Bavella-Gruppe gehört nicht zum Pflichtprogramm des GR 20. Sie kommen nur ganz dicht an diese heran. Was dann passiert, bleibt ganz Ihnen überlassen. Zahlreiche Wegvarianten sind heute möglich.

Col de Bavella

Die Türme der Bavella-Gruppe
Zuerst führt Sie der Weg durch Mischwald und längere Zeit am Asinao-Bach entlang auf die Bavella-Gruppe zu. Es scheint, als ob die Türme von Minute zu Minute wachsen, während Sie sich ihnen nähern. Nach ca. anderthalb Stunden haben Sie die Möglichkeit, eine alpine Variante zu wählen, die Sie nahe an die Türme der Bavella-Gruppe bringt. Diese Strecke enthält ein paar Kletterpassagen, die gut gesichert sind und auch für den wenig geübten Kletterer zu bewältigen sind. Die Türme selber sollten Sie nur als geübter Kletterer mit entsprechender Ausrüstung bezwingen. Eine Ausnahme bietet der Turm III, dieser lässt sich auch ohne Ausrüstung besteigen und bietet eine phantastische Aussicht.

Bavella

Der ganze Zauber Korsikas
Die nichtalpine Variante führt Sie auf einer jahrhundertealten Verbindungsstrecke von Ostküste und Bavellapass in größerer Entfernung um die Bavella-Gruppe herum und vereinigt sich dann bald wieder mit der Bergstrecke. Der Zauber des Bavella-Gebietes werden Sie auch auf diesem Weg erleben: die von Laricio-Kiefern eingerahmten Zacken der Felsen, die Mufflons, vielleicht Steinadler und Bartgeier. Am schönsten ist es definitiv, den Sonnenauf- und Sonnenuntergang am Bavella zu beobachten. Es lohnt sich auf alle Fälle, für einen Tag in der Gegend Quartier zu beziehen und dort Ausflüge zu machen.

Bavella-Gebirge

15. Etappe: Refuge de Paliri – Conca

Länge: 12,5 km
Gehzeit: ca. 4 Stunden
Höhenmeter: 225m↑ /965m↓

Der letzte Tag der Etappe beginnt – Sie werden merken, dass Sie sich Richtung Tal bewegen. Aus den Bergen werden Hügel, der Wald macht der berühmten korsischen Macchia Platz und die gesamte letzte Etappe steht im Zeichen eines langsamen und vergleichsweise erholsamen Abstiegs hinunter zum Meer (wobei gesagt werden muss, dass Zonza immer noch auf 400 m Höhe liegt). Auch auf dieser Strecke muss man sich gut mit Wasser eindecken, denn im Sommer ist dieser Weg recht trocken. Der GR 20 führt am Punta di i Paliri vorbei, wo ein Blick zurück eine majestätische Aussicht auf die Punta Tafunata di i Paliri und die Ferriate-Gruppe eröffnet.

Ein Bad zum Abschied
Ein weiter Bogen führt um die Punta di Monte Sordu und dann noch einmal in steilen Kehren zur Bocca Villaghello hoch. Sie passieren nun die Ruinen der Cabanes de Capellu, wo sich endgültig die Macchia durchsetzt und Zistrosenduft die Luft erfüllt. Gönnen Sie sich eine Pause an den zwei Badegumpen und nehmen Sie ein erfrischendes Bad, hier merken Sie schnell die Hitze und sehnen sich nach der Kühle der Berge. Hinter den Gumpen und nach Überquerung einer kleinen Furt über den Punta-Pinzuta-Bach haben Sie eine letzte, moderate Steigung zu bewältigen um auf die Bocca d’Usciolu zu gelangen. Von hier können Sie bereits einen ersten Blick auf Conca werfen.

Conca
Nach einem halbstündigen Abstieg erreichen Sie den kleinen Ort Conca. Conca hat nur ca. 300 Einwohner, verfügt aber als End- bzw. Einstiegsort für den GR 20 über touristische Infrastruktur und eine Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Dadurch sind Sie schnell in Porto Vecchio oder auch in Bastia. Nach einem etwa zweistündigen Marsch gelangen Sie ans Meer nach Favone. Dort gibt es einen schönen Strand und beste Bademöglichkeiten im Meer sowie einige Unterkünfte, um nach der anstrengenden Wanderung noch ein paar Tage zu relaxen.

Lust bekommen?

Wieder im Programm: Rhombergs Bergführer und Korsika-Spezialist Edgar Eberle bietet im Juni 2016 wieder eine geführte GR 20 – Tour an. Weitere Informationen erfahren Sie bei Rhomberg Reisen.

Außerdem bietet Rhomberg-Reisen viele Direktflüge & Charterflüge nach Korsika an.

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3 KOMMENTARE

  1. Lieber Harald,
    ich möchte mit Freunden nächstes Jahr den GR 20 gehen.
    Darf ich dich kontaktieren?
    Ich möchte gerne im Juni gehen, ist das zu früh?

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